Studien - Engagement & vorpolitischer Raum
Zivilgesellschaftliches Engagement ist das Sprungbrett in die Kommunalpolitik. Hier finden Sie Informationen zur Vielfalt im Engagement.
Engagement und politische Einstellungen. Herausforderungen und Perspektiven in einer sich wandelnden Gesellschaft
Stütze der Demokratie: Wie Engagement für Frauen zum Sprungbrett in die Politik wird. Die repräsentative quantitative Studie der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) in Kooperation mit der Universität Leipzig befragte 2024 ehrenamtliche Engagierte zwischen 16 und 92 Jahren zu ihren politischen Einstellungen. Die Studie zeichnet dabei 3 verschiedene Engagement-Profile mit Bezug auf (anti-)demokratische Einstellungen nach. Zu den zentralen Erkenntnissen zählt, dass Personen, die dem resilient-demokratischen Typus zuzuordnen sind, mit 58,3 % mehrheitlich Frauen sind und ihn damit maßgeblich mitprägen. Befragte, die zum resilient-demokratische Typus zählen, verfügen außerdem oft überdurchschnittlich über Ressourcen wie Bildung und Einkommen. Im Gegensatz dazu ist der rechtsautoritäre Einstellungstypus eher männlich geprägt. Engagierte weisen durchgehend signifikant seltener antifeministische Tendenzen (16,4 %) als Nichtengagierte (24,1 %) auf. Zivilgesellschaftliches Engagement stellt für Frauen ein wichtiges Sprungbrett in die Kommunalpolitik dar und stärkt damit deren demokratische Repräsentation. Zur Förderung von mehr Vielfalt werden gezielte Programme für Frauen und junge Menschen in Leitungspositionen empfohlen.
Engagement zwischen Tradition und Wandel. Geschlechterunterschiede im ländlichen Raum
Engagement von Frauen auf dem Land nimmt zu, dennoch bleiben sie gerade in Führungsrollen deutlich unterrepräsentiert. Die Studie stellt auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) (2001–2019) und des 4. und 5. Deutschen Freiwilligensurveys (2014 bzw. 2019) fest, dass sich das Engagement von Frauen in den letzten zwei Jahrzehnten zwar erhöht hat, Männer aber bis 2019 in Stadt und Land häufiger engagiert bleiben. Besonders deutlich sind die Unterschiede in sehr ländlichen Räumen, wo 2019 rund 38 % der Männer, aber nur knapp 30 % der Frauen ehrenamtlich aktiv waren. Dabei fällt die ungleiche Verteilung von Tätigkeiten besonders auf: Frauen übernehmen häufiger Hilfs- und Unterstützungsaufgaben mit geringer Sichtbarkeit, während Männer signifikant häufiger Leitungs- und Repräsentationsfunktionen ausüben – ein Muster, das sich in sehr ländlichen Räumen besonders stark zeigt. Engagement reproduziert dadurch bestehende Status- und Machtungleichheiten zwischen den Geschlechtern. Als Ursachen identifiziert die Studie geschlechtsspezifische Rollenzuweisungen, Zeitknappheit durch Sorgearbeit sowie fehlende Infrastruktur wie Kinderbetreuung oder bei Wegen und Erreichbarkeit. Das Erreichen von gleichberechtigter Teilhabe erfordert daher die gezielte Förderung weiblicher Führungskräfte in Vereinen und Verbänden sowie den Ausbau unterstützender Infrastrukturen in ländlichen Räumen.
Freiwilliges Engagement in Deutschland Zentrale Ergebnisse des Sechsten Deutschen Freiwilligensurveys
Frauen und Männer engagieren sich gleichermaßen – doch es vergrößern sich Unterschiede, wer sich wann und wo einbringen kann. Der 6. deutsche Freiwilligensurvey mit dem Bezugsjahr 2024 zeigt, dass sich mehr als ein Drittel (36,7 %) der Bevölkerung ab 14 Jahren freiwillig engagiert. Frauen und Männer sind erstmals ohne signifikanten Geschlechterunterschied gleich häufig engagiert (36,4 % vs. 37,0 %). Doch es bestehen deutliche Ungleichheiten nach Lebensphasen: Frauen zwischen 30 und 49 Jahren engagieren sich zwar häufiger als Männer, ihr Engagement ist seit 2019 jedoch stark zurückgegangen (von 47,8 % auf 42,6 %) und sie wenden weniger Zeit für ihr Hauptengagement auf als Männer gleichen Alters. Besonders betroffen sind Frauen, Eltern von Kindern unter 14 Jahren im Haushalt sowie Teilzeitbeschäftigte; die Engagementquote von Müttern sank bspw. von 50,4 % auf 43,9 %. Geschlechtsspezifische Unterschiede zeigen sich auch nach Engagementbereichen: Frauen engagieren sich häufiger im sozialen Bereich, Kirche oder in Schule und Kindergarten, Männer im Sport und Katastrophenschutz sowie in der Politik. Gerade in Leitungsfunktionen sind Frauen weiterhin unterrepräsentiert (21 % vs. 31 % Männer).
Jung, einsam – und engagiert? Wie Einsamkeit das Engagement der jungen Generation prägt
Einsamkeit bremst Beteiligung junger Menschen: Studie fordert gezielte Unterstützungsmaßnahmen und Programme. Die Studie untersucht in einer repräsentativen Online-Erhebung von über 2500 Befragten die Zusammenhänge zwischen Einsamkeit und politischem Engagement junger Menschen zwischen 16–30 Jahren. Fast die Hälfte fühlt sich einsam: 10 % stark, 35 % moderat. Besonders betroffen sind junge Erwachsene ohne Erwerbsarbeit, mit niedriger Bildung, mit Migrationsgeschichte sowie Frauen. Stark einsame junge Menschen glauben weniger an die eigene politische Selbstwirksamkeit bzw. daran, selbst etwas bewirken zu können. Zudem haben sie weniger Vertrauen in die Demokratie und Politiker*innen und zeigen sich empfänglicher für populistische Narrative. Die Studie empfiehlt die Anerkennung von Einsamkeit als demokratiergefährdendes Thema, das gezielte Gegenmaßnahmen benötigt. Der Ausbau niedrigschwelliger Beteiligungsformate (z. B. online Workshops, spielbasierte Formate) mit weniger sozialem Druck als vor Ort könnten eine Lösung sein. Aber auch die gezielte Ansprache auf kommunaler Ebene, z. B. in Peer-Formaten oder über Mentoring kann helfen, einsamen jungen Menschen zu zeigen, dass es geschätzt wird, wenn sie sich in den politischen Diskurs einbringen.
ENKOR: Engagement in ländlichen Räumen – Formen und Konstellationen
Ehrenamtliches Engagement findet zunehmend jenseits traditioneller Engagementstrukturen statt. Über formale Strukturen in mitgliedschaftsbasierten Organisationen hinaus bewegt sich Engagement zunehmend im Bereich der informellen, häufig temporären Zusammenhänge – ein Bereich, in dem sich besonders häufig Frauen engagieren. Teilweise sind diese Strukturen miteinander vernetzt und befinden sich in einem fließenden Übergang, teilweise existieren sie nebeneinander her, wie die Studie ENKOR über Engagement in ländlichen Räumen herausarbeitet. Die vergleichende Analyse ost- und westdeutscher Spezifika zeigt neben vielen Gemeinsamkeiten auch deutliche Herausforderungen für Engagement in Ostdeutschland auf und weist insbesondere auf geringere Möglichkeiten finanzieller Unterstützung durch kommunale Haushalte oder private und privatwirtschaftliche Fördernde sowie fehlende religiöse Gemeinschaften als Räume für Begegnung und Engagement hin.
Ungleiches Engagement in ländlichen und nicht-ländlichen Räumen
In ländlichen Räumen haben Männer, Personen mit höherem Einkommen und Personen ohne Migrationsgeschichte bessere Partizipationschancen. Die Studie zeigt, dass sich Engagement entlang räumlicher und sozialer Ungleichheiten strukturiert. In ländlichen Räumen zeigen sich allgemein höhere Anteile freiwilligen und ehrenamtlichen Engagements als in städtischen Räumen, in Westdeutschland ist es höher als in Ostdeutschland. Soziodemografische Ungleichheiten zeigen sich u.a. hinsichtlich Alter und Geschlecht sowie Migrationshintergrund. Im Durchschnitt engagierten sich Männer häufiger ehrenamtlich als Frauen, der Unterschied wird im Zeitverlauf geringer, insbesondere, wenn man Engagement jenseits klassischer und institutionalisierter Formen in die Analyse einbezieht. Auch mit Blick auf Engagementbereiche zeichnen sich deutliche Geschlechterunterschiede ab – so sind Männer deutlich häufiger in den Bereichen Sport und Bewegung, Politik und Katastrophenschutz engagiert, Frauen hingegen im Bildungsbereich sowie im sozialen und religiösen Bereich. In Summe unterscheidet sich das Engagement von Frauen und Männern zwar nicht mehr so stark wie noch vor einiger Zeit, eine tiefergehende Analyse verweist jedoch auf tradierte Geschlechterrollen, die sich auch im Engagementangebot insbesondere im ländlichen Bereich widerspiegeln. Für die Studie wurden die Daten des Deutschen Freiwilligensurveys und des Sozio-oekonomischen Panels ausgewertet.
Ländliches Engagement im demografischen und sozialen Wandel: Status quo, Herausforderungen und Gestaltungsperspektiven am Beispiel der LandFrauen
LandFrauen zeigen: Ehrenamt auf dem Land bietet großes Potenzial für gesellschaftlichen Wandel, braucht aber bessere Strukturen: Die Studie „Ländliches Engagement im demografischen und sozialen Wandel“ beleuchtet am Beispiel der LandFrauen, wie Frauen in ländlichen Regionen durch ihr Ehrenamt zum sozialen Zusammenhalt, zur Lebensqualität und zur Daseinsvorsorge beitragen. Über 4000 LandFrauen nahmen an der Untersuchung teil. Die Ergebnisse zeigen: Die LandFrauen engagieren sich vielfältig und mit großer Motivation, insbesondere aus Freude an der Tätigkeit und dem Wunsch, das Gemeinwesen zu stärken. Gleichzeitig sehen sich viele mit besonderen Herausforderungen konfrontiert – etwa bei der Vereinbarkeit von Ehrenamt, Familie und Beruf sowie durch mangelnde Infrastruktur. Die Studie macht deutlich, wie durch gezielte Förderung, verbesserte Rahmenbedingungen und neue Strukturen Engagement gestärkt und mehr Frauen als Gestalterinnen auf dem Land gewonnen werden können. Sie liefert konkrete Ansätze zur Weiterentwicklung ehrenamtlicher Strukturen im ländlichen Raum.
Bürgerschaftliches Engagement in ländlichen Räumen Politische Hoffnungen, empirische Befunde und Forschungsbedarf
Engagement auf dem Land: fehlende Ressourcen und Gestaltungsspielräume bremsen Selbstorganisation – strukturelle Förderung nötig. Die Studie analysiert Chancen und Grenzen bürgerschaftlichen Engagements: vom punktuellem Einsatz bis zum klassischen, gemeinwohlorientierten Ehrenamt. Zivilgesellschaftliche Selbstorganisation ist in ländlichen Räumen historisch stark ausgeprägt und wird auch politisch als Motor sozialer Integration und Mittel zur Stärkung der Demokratie vor Ort verstanden. Bürgerschaftliches Engagement hat in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen – Menschen auf dem Land engagieren sich dabei stärker als in Städten. Doch es bestehen soziodemografische Unterschiede: nicht nur in ländlichen Regionen sind Männer stärker aktiv als Frauen. Obwohl sich die Engagementquoten zunehmend annähern, geschieht dies in ländlichen Regionen langsamer als im urbanen Raum. Die Gründe dafür bleiben bislang weitestgehend unterforscht. Auch jüngere Menschen zeigen sich auf dem Land engagierter als ältere Gruppen. Die Autor*innen betonen, dass Engagement kein Selbstläufer ist, sondern staatliche Unterstützung, Gestaltungsspielraum und ausreichende finanzielle Mittel benötigt. Darüber hinaus braucht es neue Daten zu Vereinslandschaft (wer engagiert sich wo und wie?) sowie zu förderlichen Rahmenbedingungen.
Sie müssen den Inhalt von hCaptcha laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Turnstile. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen


