„Mehr Raum für Vielfalt“ – Neue Broschüre zeigt Wege zu mehr Teilhabe in der Kommunalpolitik
Ein Angebot für „alle“ reicht nicht
30,5 % beträgt der Frauenanteil in kommunalen Vertretungen im Durchschnitt. Menschen mit Migrationsgeschichte, mit bestimmter Religionszugehörigkeit, mit Behinderung oder ohne akademischen Abschluss sind noch seltener in lokalen politischen Ämtern. Warum sich manche Menschen in der Politik engagieren und andere weniger, hat viel mit den Bedingungen zu tun, unter denen politische Beteiligung möglich ist. Noch immer sind diese oft so gestaltet, dass sich viele Menschen nicht willkommen fühlen oder strukturell ausgeschlossen werden. Bisher unterrepräsentierte Gruppen finden schwer Zugang zur Politik – oder ziehen ein Engagement gar nicht erst in Betracht. Wer etwa wenig Zeit, Geld, Bildung, sichere Räume oder gesellschaftliche Anerkennung hat, stößt schnell an Grenzen. Das führt dazu, dass Politik meist von ähnlichen Gruppen gemacht wird, während viele Perspektiven fehlen. Sarah Robinson und Leonie Schütte-Silverio von der EAF Berlin zeigen, wie Angebote so gestaltet werden können, dass sich mehr Menschen angesprochen fühlen. Co-Autorin Sarah Robinson betont die Notwendigkeit einer Veränderung und macht deutlich, dass Politik vielfältige Perspektiven brauche, um die Interessen aller Menschen ernst zu nehmen. Wenn sich Menschen in den Parlamenten, die für sie entscheiden, nicht wiederfänden, fühlten sie sich nicht gehört – und verlören womöglich das Vertrauen in Politik und Demokratie.
Von passiver Erlaubnis zur aktiven Beteiligung
Co-Autorin Leonie Schütte-Silverio weist darauf hin, dass Frauen mit Migrationsbiografie in der Politik Erfahrungen machten, die Männern und Menschen der Mehrheitsgesellschaft oft fremd seien. Es brauche geschützte Räume, in denen sie sich geschützt austauschen und gegenseitig stärken könnten. Wenn Menschen ähnliche Diskriminierungserfahrungen teilten, entstehe ein solidarischer Rahmen, der offenen Dialog ermögliche und gegenseitige Unterstützung fördere. Wie kann man solche Safer Spaces, also “sichere Räume” aufbauen? Wie spricht man vielfältige Zielgruppen an? Und was haben Pierogi und Datteln mit einer Einladung zur Bürgerinnensprechstunde zu tun? Die Broschüre sammelt praktische Tipps und Erfahrungen aus der Demokratieförderung und sensibilisiert dafür, politische Angebote und Beteiligungsprozesse inklusiver zu gestalten. Ziel ist es, die Bedürfnisse aller ernst zu nehmen und Vielfalt in der Kommunalpolitik aktiv zu gestalten.
Teilhabe ermöglichen – konkret und praktisch
Die Autorinnen beschreiben zahlreiche Tools, die konkrete Veränderungen anstoßen und zur Umsetzung anregen sollen. Reflexionsfragen sensibilisieren dafür, die eigenen bestehenden Strukturen zu überdenken und verschiedene Perspektiven zu berücksichtigen. Ziel ist es, politische Teilhabe so zu gestalten, dass alle Menschen – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe, Behinderung, Bildung oder finanzieller Situation – mitentscheiden können. Die Broschüre „Mehr Raum für Vielfalt – So gelingt Teilhabe in der Kommunalpolitik“ richtet sich an alle, die sich mit oder ohne Mandat kommunalpolitisch engagieren möchten oder bereits dabei sind und Mitarbeiterinnen in der Verwaltung sowie weitere kommunalpolitische Akteurinnen und Multiplikatorinnen, wie etwa Gleichstellungs- und Integrationsbeauftragte. Sie entstand im Rahmen des Helene Weber-Kollegs, einem Projekt der EAF Berlin, mit Förderung durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ).
Nachmachen erwünscht:
- Tools
- Reflexionsfragen und Gute Praktiken
- Barrierearme Formate
- klar formulierte Verhaltenskodizes
- Mentoring-Programme oder eine diskriminierungssensible Sprache einführen.
Kontakt
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