Zu sehen ist Elke Quandt auf einer Bühne. Sie hält ein Mikrofon in der Hand, deutet mit der anderen Hand auf eine Grafik und spricht dazu ins Publikum.

“Ich bin Feministin – und alle gucken mich an”

Wie erleben Frauen Kommunalpolitik - besonders in ländlichen Räumen? Welche Hürden begegnen ihnen auf dem Weg in politische Ämter und was braucht es, damit mehr Frauen Politik aktiv mitgestalten? Dies sind nur ein paar der Fragen, die Elke Quandt seit langem beschäftigen. Sie legt dar, warum Haltung in der Politik für sie so wichtig ist, weshalb Gleichstellung oft mühsam erkämpft werden muss - und warum sie bis heute mit voller Überzeugung sagt: "Ich bin Feministin."

Elke Quandt war 34 Jahre lang hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte und engagiert sich seit vielen Jahren selbst kommunalpolitisch. Aktuell ist sie zudem als kommunalpolitische Multiplikatorin im Rahmen des Projekts Frauen.Vielfalt.Politik. tätig.

Für Elke Quandt ist Politik keine Frage des Prestiges, sondern eine Frage der Verantwortung. Als langjährige Kreistagsabgeordnete und ehemalige hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte setzt sie sich seit Jahrzehnten für Gleichstellung, Sichtbarkeit von Frauen und bessere Lebensbedingungen insbesondere in ländlichen Räumen ein.

Dabei begann ihr eigener Weg in die Politik zunächst eher indirekt. Über viele Jahre sprach sie in ihrer Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte immer wieder andere Frauen darauf an, sich kommunalpolitisch zu engagieren. Sie wollte Frauen ermutigen, politische Entscheidungen mitzugestalten und geschlechtsspezifische Themen sichtbar zu machen. Doch irgendwann kam die Frage auf sie zurück.

 

„Wir kennen ja alle das Sprichwort: Wasser predigen und heimlich Wein trinken“, sagt sie lachend. „Da haben mich dann auch andere Personen demokratischer Parteien angesprochen, ob ich nicht selbst in die Kommunalpolitik gehen möchte.“ Lange überlegen musste sie nicht. Die Möglichkeit, selbst mitzugestalten, Entscheidungen zu treffen und konkret etwas zu bewegen, reizte sie sofort. Anfang der 2000er Jahre wurde sie zunächst sachkundige Bürgerin in einem Ausschuss, in dem sie bereits viel Fachwissen mitbrachte. 2009 kandidierte sie erstmals selbst für den Kreistag – und wurde auch 2024 erneut gewählt.

 

Gleichstellungspolitik bedeutet oft Gegenwind

Ihr politischer Weg war allerdings nicht frei von Widerständen. Als Gleichstellungsbeauftragte brachte Elke Quandt Themen auf die Agenda, die bis heute aktuell und oftmals kontrovers sind: Gewalt im häuslichen Bereich, die Sichtbarkeit von Frauen, faire Beteiligung und Gleichstellung in politischen und gesellschaftlichen Strukturen.

„Ich hatte immer das Gefühl, mich mehr rechtfertigen zu müssen, warum ich das tue“, erzählt sie. Besonders schwierig sei gewesen, Aufmerksamkeit für Themen wie häusliche Gewalt zu schaffen – und dafür auch finanzielle Mittel bereitzustellen. „Das hat viel Kraft gekostet. Viele strategische Überlegungen, um ans Ziel zu kommen.“

Dabei stand für sie immer fest: Gleichstellung ist kein Randthema. Sie betrifft alle gesellschaftlichen Bereiche. Themen wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, gleiche Bezahlung oder die Vereinbarkeit von Ehrenamt und Familie ziehen sich durch nahezu jedes politische Feld.

Genau deshalb habe sie sich diesen Themen mit so viel Nachdruck gewidmet.

Mobilität als Gleichstellungsfrage

Wie konkret Kommunalpolitik das Leben von Menschen verändern kann, zeigt ein Thema, das Elke Quandt besonders geprägt hat: Mobilität in ländlichen Regionen. Gerade Frauen seien von mangelnder Mobilität häufig besonders betroffen.

„Meistens, wenn ein Auto vorhanden ist, wird es dann doch vom Mann genutzt“, beschreibt sie die Realität vieler Familien. Gleichzeitig lebt sie in einem Landkreis, der „anderthalbmal so groß ist wie das Saarland“ – mit weiten Wegen und begrenztem Nahverkehr.

Gemeinsam mit ihrer Fraktion setzte sie sich deshalb dafür ein, dass der sogenannte Rufbus endlich im gesamten Landkreis fährt. Es gab Aktionen, Unterschriftensammlungen und schließlich einen Antrag im Kreistag, den sie selbst begründete. Der Antrag wurde angenommen.

„Damit auch keine Ausgrenzung mehr erfolgt und insbesondere Frauen die Möglichkeit haben, ihre Termine erledigen zu können“, erklärt sie. Dieser politische Erfolg habe sie „wirklich sehr geprägt und auch ein wenig stolz gemacht“.

Frauen ermutigen, Politik mitzugestalten

Besonders wichtig ist Elke Quandt heute die Vernetzung mit Frauen in ländlichen Räumen. In Mecklenburg-Vorpommern engagieren sich zahlreiche Landfrauen – ein großes Potenzial, findet sie. Deshalb bringt sie sich in unterschiedlichen Netzwerken ein, sucht das Gespräch und möchte Frauen dabei unterstützen, ihren eigenen Weg in gesellschaftliches oder politisches Engagement zu finden.

Ein Schwerpunkt dabei: politische Bildung und niedrigschwellige Unterstützung. Gemeinsam mit Frauen möchte sie darüber sprechen, wie politische Beteiligung gelingen kann – auch ohne sofort selbst zu kandidieren.

„Wie werde ich Politikerin? Welches Handwerkszeug benötige ich?“ Das seien Fragen, die ihr immer wieder begegnen. Aber auch ganz praktische Unsicherheiten spielten eine Rolle: „Wie kann ich mich in einer Gemeinde einbringen, ohne gleich kandidieren zu müssen? Worauf muss ich achten?“

Für Elke Quandt zeigt sich darin vor allem eines: Das Interesse vieler Frauen ist längst da. Was oft fehlt, sind Räume, Informationen, Netzwerke und Ermutigung.

Zitat Elke Quandt:

Trotz aller Herausforderungen beschreibt Elke Quandt ihr politisches Engagement als etwas zutiefst Sinnstiftendes. Politik habe sie geprägt – vor allem die Frage nach Haltung.

„Ich kann zu vielen Dingen eine Meinung haben. Aber ich habe immer noch meine Haltung“, sagt sie. Gerade in politischen Debatten sei dieser Unterschied entscheidend geworden.

Und zu dieser Haltung gehört für sie auch ein Begriff, den manche noch immer skeptisch betrachten.

„Ich sage zum Beispiel immer wahnsinnig gerne: Ich bin Feministin“, erzählt sie. „Und dann gucken mich alle an.“ Dabei sei Feministin zu sein für sie „etwas ganz Großartiges“.

Ein Satz, der zeigt, worum es ihr eigentlich geht: sichtbar sein, Haltung zeigen und andere ermutigen, genau das ebenfalls zu tun.

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Ein Projekt der EAF Berlin in Kooperation mit dem Deutschen LandFrauenverband