Neueingewanderte Frauen – Zielgruppe und Mitgestalterinnen
Wie die Ergebnisse einer im Rahmen des Projektes durchgeführten Online-Befragung zeigen, kennen neueingewanderte Frauen vor allem niedrigschwellige Angebote wie Sprachcafés, Kultur- und Sportvereine, Migrant*innenorganisationen sowie religiöse Zentren. Formelle Beteiligungsformate der Stadt, etwa Integrationsbeiräte, Arbeitsgruppen, Runde Tische oder Stadtteilbüros sind ihnen hingegen weniger bekannt.
Die Befragung zeigt zudem, dass nur wenige der befragten Frauen sich aktiv in ihrer Stadt engagieren, obwohl viele dies gerne tun würden. Als Gründe nennen sie dafür einerseits, dass ihnen häufig die Informationen fehlen, wie genau sie sich in die bestehenden Angebote einbringen können. Andererseits empfinden sie viele der Angebote, insbesondere aufgrund von Sprachbarrieren, nicht einfach zugängig.
Die befragten Frauen empfehlen den Kommunen, neueingewanderte Frauen stärker einzubinden und sie als aktive Mitgestalterinnen zu gewinnen. Davon profitieren aus ihrer Sicht sowohl die Kommunen als auch die Frauen selbst, denn Engagement fördert soziale Integration und Austausch. So bringen die Frauen wertvolle Erfahrungen und Perspektiven ein, die den Kommunen u.a. helfen, ihre Angebote bedarfsgerechter zu gestalten. Die Frauen wiederum lernen auf diese Weise ihren neuen Lebensort besser kennen, knüpfen neue Kontakte und fühlen sich als aktiver Teil der Gesellschaft.
Konkret empfehlen die befragten Frauen:
- besser aufbereitete Informationen zu bestehenden Angeboten, beispielsweise durch Mehrsprachigkeit oder leichter verständliche Formulierungen
- stärkere Verbreitung der Informationen über soziale Medien
- Schaffung von mehr communityübergreifenden Angeboten Begegnungsräumen, in denen Frauen sich vernetzen und austauschen können. Um Frauen mit Kindern nicht auszuschließen, sollte nach Möglichkeit eine Kinderbetreuung angeboten werden
- aktive Einbindung (neu)eingewanderter Frauen als Expertinnen in die Gestaltung kommunaler Angebote, z.B durch die Möglichkeit, eigene Angebote zu entwickeln
Die Onlinebefragung wurde von den im Projekt involvierten Co-Forscherinnen, die selbst neueingewandert sind, mit Unterstützung des Minor-Projektteams entwickelt und in den drei beteiligten Kommunen, Flensburg, Kempten und Landshut, durchgeführt. Durch den partizipativen Forschungsansatz spiegeln die Ergebnisse die Perspektiven, Wünsche und Bedarfe neueingewanderter Frauen wider.
Auf Grundlage der Ergebnisse und Empfehlungen der Onlinebefragung entwickelten und erprobten die Co-Forscherinnen in den teilnehmenden Kommunen gemeinsam mit den Vertreter*innen der jeweiligen Stadtverwaltung und weiteren kommunalen Akteur*innen verschiedene Ansätze und Formate, um die gesellschaftliche Teilhabe neueingewanderter Frauen zu stärken.
In der Stadt Landshut beispielswiese bilden Community Multiplikatorinnen nun eine Brücke zwischen (neu)eingewanderten Frauen und den Akteuren der Stadt. Co-Forscherinnen verbreiten als Multiplikatorinnen in ihren selbst definierten Communities Informationen zu aktuellen Angeboten der Stadt – gleichzeitig beobachten sie aufkommende Fragen und Themen und geben diese an die Landshuter Akteur*innen weiter.
Auch in Kempten war die Expertise der Co-Forscherinnen gefragt: u.a. unterstützen sie Studierende der Hochschule Kempten in Workshops dabei, Klimakommunikation so zu gestalten, dass sie migrantische Communities und (Neu)Eingewanderte besser erreicht.
In Flensburg wurde ein Internationaler Frauentreff ins Leben gerufen. Mit wechselnden Themenschwerpunkten lernen (neu)eingewanderte Frauen dort verschiedene Akteur*innen der Stadt und ihre Angebote kennen und haben gleichzeitig die Möglichkeit, ihre eigenen Anliegen und Vorschläge einzubringen. Ca. alle zwei Monate entsteht so ein Raum für Begegnung, Austausch und gegenseitige Unterstützung.
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