Gleichstellung im Strukturwandel: Welche Rolle Frauen in der Kommunalpolitik spielen
Strukturwandel klingt zunächst nach einem abstrakten Begriff. Was bedeutet er konkret für die Menschen in einer Region?
“Strukturwandel bedeutet, dass sich die wirtschaftlichen und damit auch die Arbeits- und Lebensbedingungen in einer Region verändern. Besonders deutlich zeigt sich das aktuell in Regionen, die stark von Stahl-, Kohle- oder Automobilindustrie geprägt sind. Dabei kommen mehrere Entwicklungen zusammen: Dekarbonisierung, Deindustrialisierung, Digitalisierung und der demografische Wandel.
Zum einen erleben wir eine Überalterung der Gesellschaft: In den nächsten Jahren und Jahrzehnten werden 30% der Gesellschaft verrentet sein. Schon jetzt spüren wir die Nöte der jungen Generation, die das gegenfinanzieren muss. Zum anderen wird der Fachkräftemangel größer. Die Regionen werden sich dadurch stark verändern: Branchen verändern sich oder fallen weg – und damit verändern sich Arbeitsplätze und Einkommensperspektiven. Es gibt viele Weg- und Umzüge, unklare Zukunftsperspektiven, viele Unsicherheiten in den Dorfgemeinschaften, aber auch in Städten.”
Strukturwandel wird häufig vor allem mit Industrie verbunden. Ist das zu kurz gedacht?
“Ja. Strukturwandel wird gerade auch in der Realpolitik als ein männlich zentrierter Industriesektorwandel gesehen. In der Realität geht er weit darüber hinaus: Auch der weiblich geprägte Dienstleistungs- und Einzelhandelssektor ist zum Beispiel stark vom Strukturwandel betroffen.
Deshalb verstehen wir Strukturwandel als mehrdimensionalen Umbau von Wirtschafts-, Versorgungs- und Lebensverhältnissen, der sich auch auf die Geschlechterverhältnisse auswirken kann.”
Warum ist es wichtig, dabei auch auf die unterschiedlichen Lebenssituationen von Frauen und Männern zu schauen?
“Wandelprozesse gibt es immer wieder in der Geschichte. Aus der Geschlechterforschung ist bekannt, dass in solchen Veränderungs- und Krisenzeiten beides passieren kann: Geschlechterungleichheiten können sich verringern, aber sie können sich auch verstärken.
Das haben wir beispielsweise in Kriegszeiten in Deutschland gesehen: Frauen haben sich stärker emanzipiert, weil sie die Gesellschaft und die Familien zu tragen hatten und Aufgaben übernahmen, die zuvor vor allem Männern zugeschrieben wurden. Diese Erfahrung der Ermächtigung verstärkte danach oft Forderungen nach mehr politischer Repräsentation von Frauen.
Aber zugleich können sich umgekehrt gerade, wenn in Krisen und Wandelzeiten Ressourcen auf dem Spiel stehen, Ungleichheiten verstärken – meistens zulasten von Frauen oder anderen Geschlechtern. Auch die sogenannte hegemoniale Männlichkeit, also bestehende Vorstellungen von Männlichkeit und damit verbundene ungleiche Machtverhältnisse, kann sich unter neuen Bedingungen immer wieder verfestigen und/oder re-etablieren.
Deswegen ist es zentral, darauf zu schauen, ob Geschlechter in den Entscheidungspositionen in der Politik paritätisch vertreten sind und Ressourcen gleich verteilt werden. Denn das wird auch den sozialen und wirtschaftlichen Erfolg einer Region beeinflussen.”
Warum müssen wir dabei auch über die politische Teilhabe von Frauen sprechen – gerade auch in der Kommunalpolitik?“
Die Strukturförderpolitik ist bislang sehr geschlechtsblind. Auf vielen Seiten von Strukturförderprogrammen finden wir nicht einmal das Wort „Frauen“, selten das Wort „Familie“.
Wenn wir Frauen in der Kommunalpolitik oder generell in politischen Ämtern haben – und es gibt sie tatsächlich, aber eben noch zu wenige –, dann können sie dafür sorgen, Gleichstellungsindikatoren in die Strukturförderprogramme hineinzubuchstabieren. Es wird in Zukunft wichtig sein, den Blick dafür zu schärfen.
Wir brauchen Frauen, um Gender Budgeting – also gleichstellungsorientierte oder gleichstellungswirksame Haushaltssteuerung – in Kommunen zu thematisieren und einzufordern. Wir brauchen Frauen, um für die Relevanz der sogenannten “weichen” Politikfelder zu werben, für den Ausbau von Pflegeeinrichtungen, von Infrastruktur, für Kinderbetreuung und für einen starken ÖPNV. Und wir brauchen Frauen, z. B. in den Kommunalparlamenten, damit sie Vorbilder für andere junge Frauen sein können, in einer Region zu bleiben.
Wir sehen gleichzeitig sehr starke Abwanderungsbewegungen von jungen Frauen, gerade in ländlichen Strukturwandelregionen.”
Was braucht es, damit Frauen in ihrer Region bleiben wollen und ihre Region mitgestalten können?
“Es ist sehr unterschiedlich, wie sich der Strukturwandel in den einzelnen Regionen ausprägt. Es gibt Regionen, in denen es keine qualifizierten Arbeitsplätze für Frauen gibt. Und wenn das so bleibt, dann sind die Frauen weg. In der Lausitz beispielsweise haben wir Regionen mit großem Männerüberschuss.
Frauen sind sehr daran interessiert, eine gute Zukunft zu bauen – für sich und – das ist tatsächlich ein Frauenfokus – für ihre Familien, für die Menschen, die kommen und zuziehen und für die Gemeinschaft. Das heißt, es muss ein demokratischer Ort sein. Es sollte ein Ort sein, der möglichst intersektional funktioniert.
Es muss ein Ort sein, an dem ich mein Kind in eine Ganztagseinrichtung bringen kann, damit ich auch arbeiten gehen kann und an dem es eine gute Daseinsvorsorge gibt. Damit ich zum Beispiel die Pflege meiner Eltern nicht selbst gestalten muss, sondern Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser möglichst nah sind.
Da reden wir über Wegeketten, die verschiedenen Wege, die Menschen im Alltag miteinander verbinden – etwa zur Arbeit, zur Kita, zum Einkaufen oder zur Pflege von Angehörigen. Die dürfen nicht zu lang sein. Ab einer gewissen Dauer und auch Anzahl von Wegen wissen wir: Das Leben ist so zu beschwerlich. Und dann ist die Region nicht mehr lebenswert.”
Welche Bedingungen in Strukturwandelregionen können es aus Ihrer Sicht Frauen aktuell oder auch in Zukunft erschweren, sich kommunalpolitisch zu engagieren?
“Erstens die Abwanderung von Frauen generell, weil es dann keine Vorbilder, aber tatsächlich auch kein Netzwerk gibt, aus dem Frauen schöpfen können.
Und dann ist es zweitens die Dominanz sehr männlich orientierter Politikfelder, z.B. der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik. Hinzu kommt die Abwertung von weiblich konnotierten Politikfeldern wie Sozialpolitik, Bildungspolitik oder Kulturpolitik. Auch Gleichstellungspolitik gehört dazu. Diese Felder müssen stark aufgewertet werden.
Eine wichtige Rolle spielen schließlich finanzielle Aspekte: Ein kommunalpolitisches Amt kann man nur ausüben, wenn man selbst über Kapital verfügt oder so viel verdient, dass man zum Beispiel auch einen eigenen Wahlkampf gestalten kann. Und da haben Männer oft mehr Kapital als Startguthaben und verfügen über ein sehr breites politisches Netzwerk. In diese männerdominierten Netzwerke erst einmal hineinzukommen, ist für Frauen oft schwierig. Deswegen braucht es auch nach wie vor Quoten für Frauen, um die Ausgangsbedingungen, sich überhaupt erstmal kommunalpolitisch zu engagieren, zu egalisieren.
Dann ist es die zunehmende Schwächung von Gleichstellungsbeauftragten, die wir gerade beobachten – nicht überall, aber in einigen Regionen und Kommunen. Aktuell stehen sie im Fokus in der Debatte über Staatsmodernisierung und Bürokratieabbau, in der zum Beispiel darüber diskutiert wird, die Pflicht zur Bestellung von Gleichstellungsbeauftragten in einigen Bundesländern aufzuheben. Dies wäre ein fatales Signal und würde das kommunalpolitische Engagement von Frauen und anderen Geschlechtern erschweren.”
Was würde sich ändern, wenn mehr Frauen vertreten sind?
“Zum einen ist wichtig: Dass Frauen überhaupt vertreten sind, ist eine Frage von Repräsentationsgerechtigkeit. Sie sind 51 % der Bevölkerung.
Natürlich müssen sie dann auch in all ihrer Vielfalt repräsentiert werden, weil Frauen keine homogene Gruppe sind. Sie haben viele unterschiedliche Interessen. Deswegen ist es wichtig, differenziert hinzuschauen, dass wir junge Frauen haben, arme Frauen, Frauen mit Migrationsgeschichte oder lesbische Frauen mit jeweils unterschiedlichen Bedürfnissen.
Zum anderen legen Frauen – und das weiß man wiederum aus wirtschaftspolitischen Studien – großen Wert auf Zusammenhalt und Fortschritt: Regionen, in denen viele Frauen politisch und wirtschaftlich mitgestalten und Verantwortung übernehmen, zeigen ein stabiles Wirtschaftswachstum. Und ein stabiles Wirtschaftswachstum kann man auch gut mit Arbeitgeber*innen in Verbänden oder mit Unternehmen diskutieren. Frauen lenken öffentliche Gelder statistisch häufiger in soziale Infrastruktur, in Bildung, Gesundheit und Kinderbetreuung. Wenn sie nicht paritätisch vertreten wären, würde das fehlen – auch für die Zukunftsfähigkeit der Regionen.
Frauen setzen stärker auf langfristige, zukunftssichere Lösungen, zum Beispiel bei der Umweltplanung oder Regionalentwicklung. Sie sind dafür bekannt, dass sie in der Politik generationenübergreifend denken. Das ist etwas, was Männer nicht immer machen. Frauen haben oft den ganzheitlicheren Blick. Und Frauen erleben natürlich den öffentlichen Raum, den Nahverkehr und zum Beispiel Bedrohungs- oder Sicherheitslagen für Menschen in einer Kommune anders. Diese Perspektive haben Männer oft nicht. Deswegen ist es bei Fragen der inneren Sicherheit elementar wichtig, dass Frauen sich einbringen können: Wo werde ich Opfer von Catcalling, sexuellem Missbrauch oder Belästigung? Wo sind sichere Orte für mich? Wo muss der Spielplatz in einem Dorf oder in einer Kommune hin? Und wie muss er ausgestattet sein? Das wissen Frauen sehr genau.
Und: Frauen und ihre politischen Entscheidungen unterstützen oft sozial benachteiligte Gruppen. Das heißt, sie sind für uns ein sehr wichtiger Indikator dafür, ob wir alle mitgenommen haben. Das ist wiederum ein Demokratieverstärker. Denn wenn sozial benachteiligte Gruppen nicht ernstgenommen werden, dann erleben wir eher ein Driften in politische Extreme.”
Nicht alle Frauen haben dieselben Möglichkeiten und Voraussetzungen, sich an politischen Prozessen zu beteiligen. Einkommen, Alter, Behinderung, Rassismuserfahrungen, Sorgeverantwortung oder Mobilität können dabei eine Rolle spielen. Was bedeutet das für die Gestaltung von Strukturwandel?
“Für den Strukturwandel braucht es eine intersektional differenzierte Perspektive. Zum einen eine regional differenzierte Perspektive, denn jede Strukturwandelregion sucht etwas anderes: Manche benötigen gerade alternative Energieformen, manche Arbeitsplätze. Manche brauchen Fachkräfte, manche Digitalisierungsfortschritte.
Zum Beispiel haben wir im Osten einen sehr viel geringeren Gender Pay Gap als im Westen. Die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern addiert sich erst bundesweit auf die bekannten 16 %.
Aber gerade in Brandenburg oder in Mecklenburg-Vorpommern – Brandenburg ist der Spitzenreiter – sieht es ganz gut aus mit den Entgeltunterschieden. Hier müssen wir nicht zentral daran arbeiten, dort Entgeltgerechtigkeit zwischen den Geschlechtern herzustellen, sondern eher daran, dass die Gehälter für Frauen und Männer im Vergleich zu Westdeutschland generell steigen, um den Lebensunterhalt für sich und seine Familie zu sichern.
Und dann gibt es natürlich noch mal in dieser Gruppe von Frauen – aber auch Männern – sehr differenzierte Zugangs- und Teilhabevoraussetzungen in den Strukturwandel und in die zugehörigen Prozesse. Es gibt von Rassismus betroffene Frauen, Frauen mit Migrationsgeschichte. Dann gibt es behinderte Frauen, queere Frauen, alte Frauen, die unter Altersarmut leiden, junge Frauen, die vielleicht alleinerziehend sind und viele mehr.
Und das macht einen Unterschied. Wenn eine junge Frau zum Beispiel ein Start-up gründet, dann können wir die nicht mit einer lesbischen Frau vergleichen, die vielleicht älter ist und gerade vor einer Erwerbsunfähigkeit steht. Und wir können sie wiederum gar nicht vergleichen mit einer migrantischen Frau, die überhaupt keinen Zugang zum Arbeitsmarkt oder einen sehr verzögerten Zugang zum Arbeitsmarkt bekommt. Eine junge Frau etwa, die alleinerziehend ist, wird immer ein viel höheres Armutsrisiko haben als eine junge Frau, die in einer gefestigten Partnerschaft mit einem zweiten Einkommen lebt und mit einer Person, die sich weiterhin auch um ihr Kind kümmern kann. Das sind wichtige Dinge, die man in Strukturwandelpolitiken gleich von Anfang an mitdenken muss.
Also konkret: Wenn wir Genderdaten erheben, also Gleichstellungsdaten erfassen und analysieren, ist es wichtig, dass wir nicht nur jeweils nach Alter und/oder Geschlecht in der Bevölkerung schauen, sondern dass wir diese Kategorien auch zusammendenken und schauen, ob sie in der Zusammenschau ein Diskriminierungsrisiko erhöhen oder abschwächen.”
Welche Daten oder anderen Hinweise können Kommunen nutzen, um zu prüfen, ob Frauen und Männer gleichermaßen vom Strukturwandel profitieren und an Entscheidungen beteiligt sind
“Wichtig ist im ersten Schritt, alle Gleichstellungsindikatoren anzuschauen, beispielsweise im Digitalen Gleichstellungsatlas. Es gibt klassische Gleichstellungsindikatoren: den Gender Pay Gap und den Gender Care Gap. Wie viel mehr Sorgearbeit übernehmen zum Beispiel Frauen? Bundesweit liegt der Gender Care Gap im Moment bei 43,4 %. Ein anderer wichtiger Indikator ist der Gender Employment Gap. Wie viele Menschen sind erwerbstätig, also geschlechterdifferenziert gesehen? Aber auch: wie viele haben Zugang zu Teilhabe? Wie viele kommen an die Macht? Wie viele übernehmen Ämter, Mandate? Beim Statistischen Bundesamt gibt es dazu viele Zahlen, ebenso ist das ganze Wissensportfolio bei der Bundesstiftung Gleichstellung mit Studien und Fachtexten relevant, ebenso wie die Gleichstellungsberichte der Bundesregierung und Meinungsmonitore, wie zum Beispiel der Lausitz-Monitor. Dort sieht man: Wie hoch ist hier eigentlich die Zufriedenheit in meiner Kommune? Wie ist das Meinungsbild der Bevölkerung zum Strukturwandel angesichts des Kohleausstiegs und der Energiewende? An was muss ich arbeiten? Diese qualitativen und quantitativen Daten vermitteln ein gutes Bild, z. B. über Gleichstellungsdefizite.
Am wichtigsten ist tatsächlich aber die inhaltliche Gleichstellungsorientierung. Nicht jede Frau bringt auch gleichzeitig eine Gleichstellungsperspektive mit sich. Nicht jeder Mann ist gleichstellungsblind oder -fern. Aber es ist wichtig, Gleichstellung von Anfang an mitzudenken, wenn man zum Beispiel ein Strukturförderprogramm aufsetzt. Es ist zentral, Gleichstellung als einen zentralen Indikator zu setzen und zu sagen: Wir fördern Ihr Unternehmen oder Ihre Branche, wenn Sie uns mitteilen, was das für einen Gleichstellungsgewinn für die Kommune hat. Gibt es einen Gleichstellungsplan? Dann würden wir den gerne sehen und ihn in unsere Bewertung und Entscheidung einfließen lassen.
Dann geht es darum, auch Gleichstellungsinstrumente anzuwenden. Zunächst die oben genannten Daten aus dem Digitalen Gleichstellungsatlas oder aus einem Gleichstellungsdatenreport. Und wenn man zum Beispiel mit der Europäischen Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene in einer Kommune arbeitet, hat man einen sehr guten Hebel, Gleichstellung wirklich ernsthaft zu bearbeiten. Das ist ein sehr wirksames Gleichstellungsinstrument, mit dem man viel für die Kommune voranbringen kann. Europaweit haben über 2000 Kommunen in 36 Ländern diese Charta unterzeichnet, in Deutschland sind es mehr als 60.
Im Rahmen der Arbeit mit der Charta kann man sich verschiedene Themen aussuchen, z. B. einen Artikel, zu dem man mit einem Gleichstellungsaktionsplan arbeiten will. Da kann der Schwerpunkt auf dem Arbeitsmarkt liegen oder auf Geschlechtervielfalt oder auf Klimagerechtigkeit.
Man kann als Kommune auch ein Gender Impact Assessment anstreben. Das heißt, etwa eine geschlechtsspezifische Gesetzes- oder Folgenabschätzung in Auftrag geben. Wenn ich dieses Gesetz, dieses Programm und jene Haushaltsentscheidung jetzt umsetzen würde, was bedeutet das dann für meine Kommune? Was gewinne ich? Was verliere ich? Und was bedeutet das für die Gleichstellung der Geschlechter?
In diesem Prozess ist zentral wichtig, die Position der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten zu stärken, denn sie sind die Agent*innen des Wandels. Sie sind ein wichtiger institutioneller Mechanismus in der Bundesrepublik Deutschland. Deshalb ist es relevant, dass sie mit vielen Ressourcen ausgestattet sind. Zudem ist es wichtig, sie jenseits von den finanziellen und der zeitlichen Ressourcen, die sie von ihren Ämtern bekommen sollten, inhaltlich sehr frühzeitig in Entscheidungsprozesse in der Kommune einzubinden: In Beratungen zur Wirtschaftsförderung, in kommunale Beiräte, Transformationsräte, Bürgerdialoge. Denn sie sind die Expert*innen im Feld Gleichstellung und sie kennen sich in ihrer Kommune gut aus.”
Wenn eine Kommune prüfen möchte, ob Frauen wirklich gleichberechtigte Möglichkeiten haben, welche drei Fragen sollte sie sich als Erstes stellen?
1) Wie sieht es aus mit der Repräsentanz von Frauen in unseren Ämtern? Ist diese egalitär?
2) Wer macht hier eigentlich die Sorgearbeit in der Kommune, die nach wie vor unbezahlt ist? Und ist diese Sorgearbeit gerade egalitär verteilt?
3) Wie sind Zeit und Geld verteilt? Verdienen alle Geschlechter bei uns gleich viel? Ist die Zeit, die sie für Ehrenamt, für Familie, für die Daseinsvorsorge, aufwenden können oder auch wollen, gleich verteilt?
Was können Kommunen und Regionen in ganz Deutschland aus Ihren Erkenntnissen lernen, um Geschlechtergerechtigkeit und die politische Beteiligung von Frauen langfristig zu stärken?
“Gleichstellung muss ein fester Querschnittsauftrag sein, für sämtliche regionale Strategien, für alle Förderprogramme, für alle Vergabeverfahren, für alle Monitoringsysteme.
Wir brauchen einen erweiterten Wandelbegriff, von einem sehr männlich geprägten Industriesektor-Strukturwandelbegriff hin zu einem Wandel auch von sozialen Infrastrukturen, einem Wandel von Daseinsvorsorge. Dass das wichtige Kernfaktoren des Strukturwandels sind und diese auch als solche anerkannt und gestärkt werden.
Wir brauchen die Gleichstellung als einen wichtigen Indikator für Strukturförderprogramme.
Dabei sind die genannten Gleichstellungsinstrumente zentral hilfreich: Gleichstellungsberichte, Gleichstellungspläne, die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten, der Digitale Gleichstellungsatlas, die Europäische Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene, Gleichstellungs-Checks. Das sollte auch für andere politische Wandelprozesse mitgedacht werden.”
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