Die Uhr im Blick – wie ein kleiner Impuls für straffere Sitzungen sorgt

Manchmal reicht ein kleines Detail, um die Debattenkultur zu verändern: Im Kreistag Oberhavel führt eine Stoppuhr zu mehr Rededisziplin, strafferen Sitzungen – und so zur Vereinbarkeit von Politik und Privatleben.

Wie lässt sich die Sitzungskultur in kommunalpolitischen Gremien verbessern – ganz konkret, ohne komplizierte Regeländerungen? In Oberhavel kam die Antwort aus der Praxis: Eine neu positionierte Uhr, die allen im Raum die verbleibende Redezeit anzeigt, sorgt seit Ende 2022 für deutlich strukturiertere Sitzungen. Die Maßnahme wurde im Rahmen einer Demokratiewerkstatt des Projekts Aktionsprogramm Kommune – Frauen in die Politik! entwickelt und zeigt: Wenig hilft viel.

Abendlichen Sitzungen, die regelmäßig länger dauerten als geplant: ein Problem insbesondere für politisch engagierte Menschen mit familiären Verpflichtungen, die eine Kinderbetreuung organisiert haben oder die Kinder selbst ins Bett bringen möchten. Obwohl Redezeiten in den Geschäftsordnungen bereits festgelegt waren, fehlte es in der Umsetzung oft an Konsequenz. Die Uhr auf dem Tisch der Sitzungsleitung blieb für die Teilnehmenden unsichtbar und auch nach Ablauf der Zeit mussten noch viele Themen besprochen werden.

 

Ein Bildschirm im Saal zeigt nun transparent die Redezeit jeder Rednerin und jedes Redners sowie der Fraktionen an – inklusive des bereits genutzten Redezeitkontingents. Die Wirkung ist unmittelbar spürbar: Redebeiträge fallen kürzer aus, Debatten verlaufen fokussierter, Entscheidungen werden schneller getroffen.

Die neue Transparenz schafft Verbindlichkeit und trägt so zu einer besseren Vereinbarkeit kommunalpolitischen Engagements mit dem Privatleben bei. Denn: Sitzungen enden pünktlich und lassen sich besser planen – sei es für die Kinderbetreuung oder andere private Verpflichtungen.

Die Uhr war erst der Anfang: In Oberhavel wurden weitere Maßnahmen angestoßen – etwa Schulungen für Sitzungsleitungen, hybride Teilnahmeformate oder ein Verhaltenskodex, der für einen anderen Umgangston sorgen soll.

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Ein Projekt der EAF Berlin in Kooperation mit dem Deutschen LandFrauenverband